Eine Interpretation Für Christopher Nolan

Murph. Eigentlich geht es um Murph, ist sie die Hauptperson des Films. Murph hat einen Vater und dann hatte Murph einen Vater und was sie getan hat wegen ihm, das ist es wovon Interstellar eigentlich handelt. Sie glaubt ihren Vater verloren zu haben, und weiß trotzdem dass sie ihn immer noch hat. Sie ist ein Mensch wie du und ich, der ein Leben auf der Erde lebt und mit der Zeit lernt was als normal und was nicht als normal empfunden wird. Den Dingen, die sie auf Grund der Beurteilung der Menschen um sie herum, die bereits schon länger auf dem Planet verweilt haben, eine übernatürliche Art zuschreibt, fasst sie zu einem Wesen zusammen, das im Film unter anderem als Poltergeist bezeichnet wird und von mir im Folgenden als Gott geführt wird. Für Murph ist dieser Ihr Gott alles das was sie sich nicht erklären kann woran sie aber dennoch glauben muss weil sie es doch mit eigenen Sinnen vernommen hat. Zugegeben, die übernatürlichen Begebenheiten sind im Film ein wenig überspitzt dargestellt. Doch die Reaktion der Person darauf, die dahinter einen Gott vermutet fasst all das zusammen, was grob unter dem Begriff Religion zusammengefasst werden kann. Der Glaube an Gott. Der Glaube eines Menschen an seinen individuellen Gott. Der Glaube von Murph an ihren Vater. Der Glaube von Jesus Christus an seinen Vater. Die Suche der Wissenschaft nach etwas, das nicht erklärt werden kann und somit als Gottesbeweis dient (die besonders kritischen unter uns Menschen).
Nun sind wir allerdings menschlich und das mulmige Gefühl, das sich in uns breit macht im Laufe des Films rührt daher, dass uns die Wahrheit, dass das was wir uns nicht erklären, nicht sehen können, für uns schlicht und einfach nicht existent ist immer wieder direkt in die Fresse gehalten wird. Und dieser Gedanke ist grässlich. Denn dieser Gott ist womöglich, wie auch am Beispiel Murphs im Film dargestellt, das einzige was an uns glaubt. Gott ist meine Hoffnung an etwas das an mich glaubt. Und sehen wir, dass da nichts übernatürliches ist, macht sich in uns eine Angst breit, so blank als ginge es um unser Leben. Dass wir uns womöglich auf andere Wesen verlassen müssen, die an uns glauben, uns lieben, uns anerkennen als das, was wir sind. Und genau das was wir sind. Nicht mehr und nicht weniger. Dass wir uns verlassen müssen auf unsere Mitmenschen, ein Haustier oder uns selber. Diese Angst ist nicht unbegründet. Sie rührt aus einer Zeit, aus der wir ohne Liebe schlicht und einfach nicht überleben, als Säuglinge. Und auch später ist eine Essentielle Eigenschaft eines Lebewesens die, dass es Zuneigung braucht. Diese erhoffen wir jedoch, da wir uns in dem Punkt meist nicht selbst in der Lage dazu sehen, anstatt von uns selbst, von außen.
Von etwas an das wir glauben, dass es an uns glaubt. Wie Murphs Vater für Murph und Murph für Murphs Vater. Einen Gott.

Murphs Vater macht sich auf die Suche nach Gott und findet ihn auch. Er findet sich selbst. Und dieser Fund ist nicht schön. Das Problem ist nämlich nicht, dass er sich findet. Das Problem ist, wo er sich findet. Er findet sich an einem Ort an dem er Zugriff hat auf alle seine Erinnerungen jedoch keine neuen Erinnerungen machen kann.
An einem Ort von schlechten Gefühlen.
An dem Ort seiner Ängste.

Du bist du mit deiner Angst nicht gesehen zu werden. Ich bin ich mit der Angst, dass niemand an mich glaubt. Dabei ist es gut so wie ich bin mit meiner Angst. Und gerade meine Angst, dass man mich nicht sieht ist gut und ist wichtig und macht mich zu dem Wesen dass ich wirklich bin, macht mich so geborgen in dieser Welt. Es ist aufgrund meiner Menschlichkeit ein Teil von mir der mich erst menschlich macht. Der es mir erlaubt mich selbst zu lieben. An mich selbst zu glauben. Das zu sehen ist der Schritt den ein Mensch gehen muss um gemeinsam mit seinen Ängsten, wie all seinen anderen Gefühlen und Erinnerungen in Frieden zu leben.

Die Erkenntnis, dass meine Angst ein Teil meines Glaubens ist, ein Teil meines Glaubens sein muss.
Die Erkenntnis dass mein Glaube an meine Angst diese Angst erst beruhigt. Das sie wie eine Diva viel Aufmerksamkeit braucht und sich sehr aufregt, wenn diese ihr nicht zuteil wird. Die sich gerade dann besonders zeigt, wenn ich versuche sie zu ignorieren, sie zu unterdrücken.
Dies ist der Grund, weshalb ich schlechte Erfahrungen mit dem Konsum von Marihuana gemacht habe. Mein tiefstes Inneres hat sich dabei gezeigt. Und mein tiefstes Inneres bin immer ich mit meinen Ängsten. Ich hatte also Angst und Angst kann lähmen. Ein Gefühl der Machtlosigkeit verbreiten. Ein Gefühl von Handlungsunfähigkeit verbreiten. Ein Gefühl von Minderwertigkeit verbreiten. Ein Gefühl vom Anderssein, nicht dazugehören verbreiten. Und diese Angst wollte ich nicht zulassen, wollte sie nicht anerkennen als Teil meiner Selbst. Weil ich gelernt habe, dass Angst haben etwas unnötiges ist, etwas überflüssiges, etwas falsches. Dabei ist sie doch in jedem Fall das Gegenteil, und braucht die Anerkennung dieses Gefühls um beruhigt zu werden. Die Gewissheit, dass sie jederzeit eine daseinsberechtigung hat. Lasst uns dafür ein Bewusstsein schaffen.
Der Mensch in uns, der an dem Ort unserer Ängste ist ist ein fester Teil von uns und ist immer an diesem Ort. Nur darauf wartend in unser Bewusstsein gerufen zu werden um uns Momente zu bescheren, in denen keine Zeit vergeht. Die Hölle auf Erden. Die Kunst ist es diesen Ort verlassen zu können. Wir können und werden ihn immer verlassen. Zu irgendeinem Zeitpunkt auf der Erde. Doch in dem Ort der Angst vergeht keine Zeit. Daher müssen wir lernen, diesen Ort zu verlassen, wenn wir es wollen. Und es gibt nur eine Möglichkeit die Wahl zu haben an diesem Ort zu bleiben oder auch zurückzukehren. Und das ist diesen Ort und nicht nur diesen Ort, sondern vor allem mich an diesem Ort zu sehen und dabei gern zu haben. Mich in dem Moment meines tiefsten Abgrunds in die Augen zu sehen und als Teil von mir zu akzeptieren. Als göttlichen Teil von mir. Als wichtigen Teil von mir.
An mich zu glauben, wenn ich erfolgreich bin ist einfach. Wenn ich geliebt werde, jemand an mich glaubt, jemand stolz auf mich ist. Die wahre Aufgabe in meinem Leben ist an mich zu glauben mit mir in meiner Angst. Denn erst dann ist meine Glaube an mich selbst vollständig und aufrichtig. Ich bin dann eins mit meinem ängstlichen Ich und kann, obwohl ich AngstDiva weiterhin sehr ausgiebige Aufmerksamkeit verlange, sehen, wie schön die Welt ist in der ich lebe.
Keine Angst ist falsch.
Was Murph tut, als sie ihrer Angst, der Angst ihres Vaters nicht in das Leben seiner Tochter zurückzukehren, in die Augen blickt sieht sie, dass das auch seine Angst ist und sie beide damit vereint. Weil es genau das ist was uns Menschen vereint. Dass sie in herunterfallende Bücher ihren Gott interpretiert und versucht zu beweisen, während sie damit nur offenbart, wie groß ihre Angst ist, ihr Glaube an ihren Gott könnte unbegründet sein. In dem Moment wird das Göttliche in uns nämlich tatsächlich wach. Es wehrt sich nicht anerkannt zu werden und lässt uns glauben, was an übernatürlichem passiert sei ihm zuzuschreiben. Dabei ist der zunehmende Glaube selbst die Erlösung. Und das pure Vertrauen in den Gott in mir und in dir die Antwort. Das Vertrauen in mich und die uralte Kenntnis von dem was normal ist und was nicht. Denn alles ist normal, auch das hässliche, und genau darin liegt Gott.

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